Fahrradkette | Warum du deine Fahrrad-Kette regelmäßig reinigen solltest

Kettenlänge | Fahrradkettenöl | Fahrradkurbel

Die Kette eines Fahrrads überträgt die Kraft der Beine von den Pedalen auf das Hinterrad. Damit diese Kraftübertragung möglichst glatt und störungsfrei statt findet, muss die Kette immer sauber und leichtgängig sein.

Wie funktioniert eine Fahrradkette?

Eine Kette besteht aus Gliedern, die formschlüssig miteinander verbunden sind. Jeweils zwei Laschen und zwei Bolzen bilden ein Glied. Die Bolzen haben eine Umhüllung durch eine Hülse. Die Verbindung der einzelnen Glieder und die Hülse sind jeweils in einer Richtung beweglich. Beim Tritt in die Pedale gleiten die Kettenglieder gegeneinander und der Bolzen in der Hülse so, dass die Kraft optimal übertragen wird. Besonders hochwertige Ketten, beispielsweise für Motorräder, haben zusätzlich O-Ringe, mit denen die Bolzen seitlich abgedämpft werden.

Jede Kette hat ein Trennglied, an dem sie geöffnet werden kann. Das erleichtert das Aufziehen einer Kette erheblich. Statt einer starren, fest verschweißten Lasche hat das Trennglied an einer Seite nur einen Clip. Du kannst ihn mit einem breiten Schraubendreher entfernen. Ein spezielles Werkzeug, der sogenannte „Kettentrenner“ bzw. „Kettenunterbrecher“ macht dies aber wesentlich einfacher und ungefährlicher.

Die ideale Länge einer Fahrradkette

Die ideale Länge einer Fahrradkette ist für den optimalen und verschleißarmen Betrieb des Fahrrades wichtig. Eine zu lange Kette lässt im schlimmsten Fall den Spanner schleifen. Ständiges überspringen und Probleme beim Gangwechsel sind ebenso häufige Folgen. Eine zu kurze Kette übt auf den Spanner eine zu große Kraft aus. Die Ritzel verschleißen zudem sehr schnell und verursachen große Schäden am ganzen Fahrtrieb des Zweirads. Die im Handel erhältlichen Fahrradketten sind in der Regel zu lang. Zwar könnte man die neue Kette einfach neben die alte Kette legen, um so auf die Länge zu schließen. Jedoch ist das nur ratsam, wenn es sich um den ersten Wechsel der Kette des Fahrrads nach dem Neukauf handelt und sich die alte Kette definitiv nicht gelängt hat. Sicherer ist es, mathematisch die richtige Länge der Fahrradkette zu bestimmen. Dazu braucht man ein Lineal bzw. Maßband und einen Taschenrechner. Folgende Faktoren werden ermittelt:

Abstand der Achsen von Tretlager und Hinterrad-Nabe a
Anzahl der Zähne vom größten Kettenblatt vorne: Z1
Anzahl der Zähne vom größten Ritzel hinten: Z2

Die Länge der Kette ist jetzt: KL = 0,5 × Z1 + 0,5 × Z2 + 0,157 × a + 2

Das Ergebnis ist die Anzahl der Kettenglieder, welche die neue Kette haben muss. Beim Berechnen auf Punktrechnung vor Strichrechnung achten! Bei nicht-wissenschaftlichen Taschenrechner sollten die Multiplikationen in Klammern gesetzt werden, dann ist man immer auf der sicheren Seite.

Folgen einer schadhaften Kette

Wenn es beim Treten in die Pedale merkwürdig hakt und schlägt, dann ist es meistens schon zu spät: Die Kette ist in diesen Fällen meistens schon so stark beschädigt, dass sie nur noch ausgetauscht werden kann. Staub und Schmutz haben sich in den Kettengliedern fest gesetzt und ihr Bewegungsspiel zerstört. Die Kette klemmt. Viel schlimmer ist jedoch, dass der anhaftende Staub und Rost wie eine Schleifpaste wirkt. Mit jedem Tritt in die Pedale reiben die Schmutzpartikel am Ritzel, am Kettenrad und an der Schaltung selbst. Eine schlecht gewartete Kette kann deshalb die gesamte Kraftübertragung eines Fahrrads beschädigen.

Der Rostfraß an den Gliedern schwächt zudem die Zugkraft der gesamte Kette so stark, dass sie im schlimmsten Fall reißen kann. Das kann zu gefährlichen Situationen führen, die schlimme Folgen haben. Um zu verstehen, wie eine Kette richtig zu reinigen ist, solltest du ihren Aufbau kennen.

Warum nicht einfach tauschen?

Die Preise für eine Fahrradkette gehen weit auseinander. Selbst Markenprodukte sind schon für unter 10 Euro erhältlich, während hochwertige Ketten auch über 80 Euro kosten können. Dennoch besteht kein Grund, eine preiswerte Kette weg zu werfen, wenn du sie mit wenigen Handgriffen reinigen kannst. Es ist nicht nur billiger, sondern auch viel einfacher. Eine Markenkette hat mit etwas Pflege eine Lebensdauer von vielen Tausend Kilometern, auch wenn sie nur ein paar Euro gekostet hat. Jedoch sollte die Kette immer zum Fahrrad passen: Ein Mountainbike braucht eine andere Kette, als ein Kinderfahrrad.

Wie lange hält eine Fahrradkette?

Die Lebensdauer einer Fahrradkette ist vom Pflegezustand, ihrer Fertigungsqualität und ihrem Einsatz abhängig. Die Kette längt sich unter Zug. Bergauffahrten üben einen größeren Zug auf die Kette aus, als Geradeausfahrten. In bergigen Gegenden wird die Kette deshalb stärker belastet, als in ebenen Regionen. Man kann als Lebensdauer für eine Fahrradkette ca. 2000-5000 Kilometer annehmen. Alle 1000 Kilometer empfiehlt sich eine Kontrolle der Länge. Die dazu idealen Lehren sind für 2-5 Euro im Fachhandel oder bei Amazon erhältlich.

Welche Fehler kann man bei der Kettenpflege machen?

Die Kettenpflege darf nicht zu spät einsetzen. Eine einmal „hakende“ Kette wird es trotz Schmierung immer wieder tun. Das Wichtigste ist, dass die Kette nach dem Schmieren wieder trocken gerieben wird, damit sich keine Schleifpaste aus dem Schmiermittel und angewirbeltem Staub bilden kann. Ebenso wichtig ist es, dem Schmiermittel Zeit zu geben, tief in die beweglichen Teile der Kette einzudringen.
Ein zweiter Fehler ist, nach einer gründlichen Reinigung das Ölen zu vergessen. Ohne Öl fängt die Kette schnell an zu rosten. Wenn der Rost die Kettenglieder und Stege einmal aufgequellt hat, wird die Kette nicht mehr zu retten sein. Darum: Immer die Kette nach dem Reinigen wieder ölen.
Schließlich ist das Schlimmste, was man einer Kette antun kann, sie mit einem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Dies zerstört die inneren Gummipuffer und drückt den anhaftenden Dreck tief in die beweglichen Teile hinein. Dann wird die Kette auch bei bester Schmierung nicht mehr gangbar.

Bevor wir dir sagen, wie du die Kette richtig reinigst, lass uns noch ein paar weitere Punkte aufzählen, wie du es nicht machst.

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Hochdruckreiniger

Ein Hochdruckreiniger sieht verführerisch simpel aus. Einfach mit dem kräftigen Strahl über die Kette gehen und alles blitzt wieder wie neu. Leider richtest du damit mehr Schaden als Nutzen an. Mit dieser Art der Kettenreinigung drückst du das Wasser zwischen Bolzen und Hülse, wo es ungestört dem Rost Vorschub leisten kann. Das gleiche gilt für Heißdampf-Reiniger.

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Scharfe Lösungmittel

Aceton, Bremsenreiniger und ähnliche Lösungsmittel sind besonders für gedämpfte Ketten sehr gefährlich. Die Gummiringe können dabei aufquellen oder zerstört werden. Darum verwende es für die Kettenreinigung nur sehr sparsam. Keinesfalls solltest du die Kette abmontieren und in ein Bad aus Aceton-Reiniger oder Waschbenzin legen.

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Seifenlauge

Seifenlauge ist ein Gemisch aus Wasser und Seife. Diese Mischung reinigt zwar zunächst ganz hervorragend. Jedoch entfettet sie stark und trägt gleichzeitig viel Wasser in die empfindliche Mechanik der Fahrradkette. Durch das Entfetten verliert die Kette ihren Rostschutz. Durch Seifenlauge kann die Korrosion erst richtig angreifen.

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Ultraschall

Natürlich erzielst du mit einem Ultraschallbad hervorragende Ergebnisse. Jedoch stehen diese in der Regel in keinem Verhältnis zum Aufwand: Wenn du nicht gerade zufällig ein hochwertiges Ultraschall-Gerät zu Hause herum stehen hast, dann macht die Überlegung nach einem Ultraschallbad zur Kettenreinigung keinen Sinn.

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Ölbad

Die Kette über Nacht in ein Ölbad einlegen ist nur dann sinnvoll, wenn sie vorher gründlich gereinigt wurde. Einfach die Fahrradkette mit Öl tränken, kann ihren Zustand noch verschlimmern: Das überschüssige anhaftende Öl wirkt wie ein Magnet für Staub und Sand. Im Endergebnis erhältst du mit einer Kette voller Öl genau die gefährliche Schleifpaste, die dir das ganze Fahrrad kaputt machen kann.

Wie oft soll man die Fahrradkette reinigen?

Wie oft die Kette gereinigt werden soll, hängt von der Benutzung ab. Der ideale Zeitpunkt für eine Kettenreinigung ist nach einer längeren Tour. Fährt man täglich viele Kurzstrecken mit dem Fahrrad, kann eine Wöchentliche Reinigung nicht schaden. Es ist nur wichtig, dass man sich an die Reihenfolge:

  • Reinigungsmittel auftragen
  • Einwirken lassen
  • Ölen
  • Einwirken lassen
  • Öl abwischen hält.

Darum sollte nicht unmittelbar vor einer Tour, sondern immer danach die Kette gepflegt werden. Wenn unmittelbar nach dem Ankommen und Abstellen des Fahrrads die Kette zunächst gereinigt wird, kann sie am nächsten Morgen geölt werden. Nach dem Frühstück wird das Öl abgerieben und das Fahrrad ist wieder bereit für den nächsten Einsatz.